Sitze im Kirchwinkel von Wendeburg und warte auf den Bus nach Braunschweig. Heute soll es nach Wolfenbüttel gehen, bzw. fahren. Es ist quasi Ehrensache, von Wendeburg aus den Bus zu nehmen. Hier startete am 5. Juni 1904 die weltweit erste Buslinie, und dies auch noch auf Initiative des damaligen Ortspastors hin! https://www.wikiwand.com/de/Wendeburg Im Gottesdienst in der Wendeburger Weidenkirche Friedrich Spee predigte am Morgen der Kollege darüber, wie Jesus die ersten Jünger berief (Joh 1,35-50), und wie ihm einer nach dem anderen nachfolgte, quasi nach ‚Schneeballsystem‘. Das heisst, die beiden ersten laufen, auf Empfehlung Johannes des Täufers, Jesus erstmal nur nach, erst dann fragt sie Jesus „Was sucht ihr?“ Da der ansonsten sehr freundliche Kollege wohl nicht Jesus ist, hat er mir die Frage nicht gestellt und mir einen schönen Sonntag gewünscht. Und ich habe ihn nicht, wie die Jünger, nach seiner Herberge gefragt, einem stattlichen Fachwerkbau, über der Tür die goldenen Worte ‚Ein feste Burg ist unser Gott‘. Wo keine Fragen, da keine Begegnungen. Zwei hatte ich tatsächlich gestern auf dem Weg von Uetze nach Wendeburg: Die Damen, die mich zuvor, wohl wegen meines Rucksacks in einem Landgasthof angesprochen und gefragt hatten, ob ich die Via Romea gehen würde, bremsten ihren Pkw neben mir und luden mich zur Mitfahrt ein. Ich schlug dankend aus, weil ich sonst aus dem Trott käme … bei 32 Grad etwas geprahlt … Und hinter Rietze hielt ein Fahrer neben mir und fragte mich: „Und Sie gehen jetzt einfach so in der Sonne auf der Landstraße spazieren – darf ich Ihnen wenigstens etwas zu trinken anbieten?“ Jetzt nahm ich dankend an … Eine Woche bin ich nun schon unterwegs, jede Stunde in einem anderen Ort, jede Nacht in einer anderen Herberge. Mein Körper und besonders meine Füße haben sich mittlerweile an die Umstellung vom Sitz zum Trott gewöhnt. Die Hitze halte ich einigermaßen gut aus. Die Menschen, denen ich begegne, sind freundlich. Meine Begleiterin, die Stimme aus der Wander-App, habe ich längst in den Sommerurlaub verabschiedet. Ich folge jetzt der Route der Via Romea nach einer stummen aber zuverlässigen Internetkarte: https://hiking.waymarkedtrails.org/#?map=12.0/52.6247/10.1559 Jeden dritten Tag werde ich mit dem Landbus überbrücken, allein schon um voranzukommen, heute auch wegen der Hitze. Wer früher auf der Landstraße unterwegs war, nimmt heute wohl eher den Bus. Woher das Ideal stammt, daß ‚echtes’ Pilgern unbedingt zu Fuß erfolgen müsse? Vielleicht, weil Jesus auch zu Fuß unterwegs war? Ich schätze mal, er tat dies, weil er dort die Menschen antraf, die noch keinen Pkw, kein Pedelec, keinen E-Scooter oder irgend ein anderes Auto-Mobile besaßen. Und sein Weg ging auch nicht von A nach B, sondern von A bis Z, beziehungsweise zu den Menschen.
















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