„Sing, geh und bet auf Gottes Wegen …“

Fast wäre ich an der unscheinbaren Plakette vorbeigelaufen, wenn mich nicht die Aufschrift ‚Festsaal am Obermarkt‘ über der Toreinfahrt interessiert hätte. In dem Haus in der Mühlhausener Innenstadt verbrachte Georg Neumark (1621 – 1681) seine Kindheit. Eines der bekanntesten Lieder des Protestantismus stammt aus seiner Feder, das Trostlied ‚Wer nur den lieben Gott lässt walten‘. Zu Papier gebracht hatte er es tatsächlich in Kiel, wo er nach einem Überfall auf der Reise und argen Zweifeln über seine weitere berufliche Zukunft, eine Stelle als Hauslehrer fand. Johann Sebastian Bach, der Jahre später in Mühlhausen ein Intermezzo hatte, hat den Choral kongenial bearbeitet. ‚Von Mühlhausen‘ nannte sich Neumark in der Fremde, sicherlich war die Reichsstadt eine bessere Referenz als das unbedeutendere Langensalza, in dem er das Licht der Welt erblickt hatte. Aber auch Anhänglichkeit kann ein Motiv sein. Wenn jemand mich alte Marinegöre, die mit den Eltern berufshalber umziehen musste, fragte, woher ich denn käme, hatte ich auch immer drei, vier Orte zur Auswahl. Fremde, Heimat, Herkunft, Zugehörigkeit – alles sehr dynamische und persönliche, aber auch höchst ambivalente und schwer missbrauchte Begriffe. Auch, wenn jemand meint, ab urbe condita auf der Scholle gesessen zu haben und eine entspannte Selbstverständlichkeit an den Tag legt, die Urgroßmutter kam garantiert aus dem Nachbardorf. ‚Bürgerinnen und Bürger des Himmels‘ sind wir nach Paulus (Phil 3,20). Das klingt doch ganz nach Freiheit und nach Zukunft, nach einem weiteren Horizont. Ich könnte mir den Weg nach Gotha, aus dem ein Teil meiner Familie stammt, also schenken. Aber La Recherche und die Suche nach den eigenen Wurzeln hört wohl niemals auf, bis wir endlich angekommen sind.

Marienkirche in Mühlhausen – Das Gestühl pfingstfarben oder in Märtyrer-Rot gehalten. Hier predigte Thomas Müntzer, Christ, Protestant, Apokalyptiker, Mystiker und Sozialrevolutionär
Die Last der ganzen Welt – Christophorus und das Jesuskind – Schutzheiliger der Reisenden – Ausstellung in der Marienkirche
Rom und Australien – liegen in Mühlhausen auf dem Weg …
Bevor der Regenbogen zum Symbol der Queeren Bewegung und der Friedensbewegung wurde, verwendete Thomas Müntzer das Symbol des Bundes Gottes (Gen 9) für die Bauernbewegung.
Der Stein aus Tivoli (lapis tiburtinus) – Travertin ist in Mühlhausen und Umgebung wie in Rom der Stein der Wahl.
Nur ein Jahr war er hier, entdeckte seine Leidenschaft für Vokalmusik (wohl, weil sich die Orgel in einem erbärmlichen Zustand befand) komponierte und heiratete. Johann Sebastian Bach war da gerade einmal 22 Jahre alt.
Der wahre Jakob ist international. Hauswand bei der St. Jacobikirche in Mühlhausen.
Steinreich – Mittelalterliches Haus einer Patrizierfamilie in der Jakobistraße in Mühlhausen.
Kosmonaut in Auslageposition.