Station in Mellrichstadt

Auch der frühe Vogel braucht einen Kaffee. Das Frühstück habe ich dann spontan gleich in Mellrichstadt, einer Gemeinde in Unterfranken genommen. Hier hat es, was ich bisher vermisst hatte, ein Café direkt im Bahnhof! Die heutige Wanderung nach Münnerstadt wird lang genug sein. Dort habe ich noch eine Unterkunft für die Nacht gefunden. Ich plane immer drei Tage im Voraus, manchmal habe ich Glück, heute muss ich ein bisschen überbrücken. Auf der Strecke werde ich meine, gestern in Schmalkalden erworbenen Trekkingstöcke erproben. Lange hatte ich mich, auch aus Eitelkeit, gegen diese Hilfsmittel gesträubt, aber richtig eingesetzt, sind sie sicherlich eine gute Entlastung. Mein Rucksack ist eh ein bisschen zu schwer, allein schon durch den großen Vorrat an Wasser. Jetzt also Unterfranken. In Schmalkalden und Meiningen klang das rollende ‚R‘ schon in der Sprache an. Südthüringen ist historisch mehr mit Franken – und sogar mit Hessen – verbunden als mit den Gebieten jenseits des Rennsteigs. ‚Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“ (Sprüche 16,9) Diese alte Erkenntnis teile ich gerne. Bisher habe ich mich grob an der Via Romea Germanica orientiert mit Ziel Rom, Eintreffen am 1. September und möglichst zu Fuß. Und da ich zu den Leuten gehöre, die eher auf‘s Geratewohl loslaufen und nicht jede Strecke en détail vorplanen, bin ich für Überraschungen offen, auch was mich betrifft. Wenn ich an die Strecke vor Stade, als ich mich bei Regen und Wind durchs Schilf kämpfte und schon aufgeben wollte, zurückdenke, bin ich jetzt doch angenehm überrascht und dankbar dafür, wie sich die Tour entwickelt hat. Und allmählich stellt sich eine gewisse Gelassenheit ein. Viele Wege führen nach Rom, dieser ist einer. Und so Gott will, werde ich Anfang September dort ankommen. Aber sicherlich wird alles anders kommen als geplant. Streng genommen, nehme ich ja die Route, die Albert von Stade auf seinem Rückweg genommen haben soll. Und heute kommt noch zur Via Romea, die tatsächlich durch Mellrichstadt führt, der ‚Fränkische Marienweg‘ hinzu. Und bald werden mich die Wegkreuze daran erinnern, dass jeder meiner Schritt zwar eine Entscheidung ist und jeder Gang ein bestimmtes Ziel hat, insgesamt aber jenseits von Wander-Apps und Kartenwerken und meiner kleinen Dreitagesplanung.

Tagungsort Schmalkaden – Durch diese Tür im Hessenhof – damals gehörte die Stadt zu Hessen – könnte Luther 1537 gegangen sein, wie vor ihm die Heilige Elisabeth.
Melanchthon im Feinripp … ehrlich jetzt … Luther hätte längst Earpods und ein anderes Outfit, nehme ich an. Maling in Schmalkalden.
Tor zu Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden
Dahinten steht er – manchmal hätte er anders können, wenn er gewollt hätte – Luther in der Ausstellung auf Schloss Wilhelmsburg.
Muster für alle späteren Kanzelaltäre plus Orgel – Kapelle in Schloss Wilhelmsburg.
Kopfflügler, himmlisch in der Kapelle von Schloss Wilhelmsburg.
Der Blick der Kariatide – Fresko an Tür in Schloss Wilhelmsburg.
Romantischer Ausblick auf die Stadtkirche St. Georg zu Schmalkalden.
Auch ich in Hollywood! Gemütliche Ecke in Schmalkalden.
Der David ist zwar Florentiner, but who cares … Griechisches Restaurant in Meiningen.
Luther und der Sanitärbereich – auch das hat Tradition. Über seine bahnbrechende reformatorische Erkenntnis, dass der Mensch nicht durch gute Werke sondern allein durch den Glauben die Gnade Gottes erfährt, sagte Luther: „Diese Kunst hat mir der Heilige Geist auf dieser Cloaca auf dem Turm gegeben.“ – Reklame in Meiningen.
Musentempel – Staatstheater Meiningen – Motto ‚Dem Volke zur Freude und Erhebung‘
Hamburger in Meiningen – Auch Johannes Brahms war dort.
Aus Holz, nicht aus Gips! Reh im Englischen Garten von Meiningen.
Freundschaft im Englischen Garten – Ehemalige Grablege der Fürsten von Sachsen-Meiningen
Im Schlosshof der Elisabethenburg – Residenz seit Bernhard I. von Sachsen-Meiningen, heute Museum. Elisabeth, die Gattin Bernhards stammte aus Wolfenbüttel.
Einladung zur Gelassenheit – Graffito in Meiningen
Denkmal zur Erinnerung an die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörte Synagoge von Meiningen.
Portal der Meininger Stadtkirche ‚Unser lieben Frau‘.