Rückblick: Grenzüberschreitung II

Die Grenzen, die ich im Laufe meiner Reise überschritten habe sind sicherlich weit mehr, als mir bewusst sind. Von den Landesgrenzen Niedersachsens bis Bayern einmal abgesehen, kommen noch die historischen Grenzverläufe hinzu. Die deutschsprachigen Lande glichen vor – und noch nach – dem Wiener Kongress einem Flickenteppich. Jede Stadt hatte ihre Grenzen, Mauern und Schranken, die weltlichen und besonders die kirchlichen Besitzungen waren teilweise weit über die Lande verstreut. Der ‚Limes‘, der Oberbegriff für die römische Staatsgrenze und die ‚Zonengrenze‘ ragen beim Thema ‚Grenze‘ besonders heraus. Im Kern ging es um eine möglichst effiziente Sicherung, für die Römer gegen die feindlichen ‚Barbaren‘, für die Staatsführung der DDR gegen die eigene Bevölkerung. Rund 400 Jahre bestand die eine, 40 Jahre die andere. Die Zeit scheint über den Versuch, ‚hüben‘ und ‚drüben‘, ‚mein‘ und ‚dein‘, ‚Freund‘ und ‚Feind‘, ‚Römer‘ und ‚Barbar‘ zu definieren, hinweggegangen zu sein. So wie ich mühelos und unkontrolliert drüber latsche als wäre nichts geschehen. Dass sich der ‚Limes‘ nur verschoben hat, an die Außengrenze der Europäischen Gemeinschaft, kümmert hier keine Infotafel. Kalamáta ist weit weg.