An der Marktstraße …

Kaufbeuren am Samstag Morgen. Langsam belebt sich die Kaiser-Max-Straße, die zentrale Marktmeile der alten Handelsstadt, die den Imperativ ihres Daseins im Namen trägt. Auch hier begegnet uns Maximilian I., der offenbar überall mal bei den Freien Reichsstädten reingeschaut und dort auch zünftig gefeiert hat. Auch Goethe soll hier inkognito, von Rom kommend, abgestiegen sein. Luther wurde zumindest verehrt. Aber vor allem wurde hier Sophie von La Roche, geb. Gutermann, eine der ersten Schriftstellerinnen deutscher Sprache, die von ihrem Beruf leben konnte, geboren. Mit ‚Pomona‘ gab sie die erste deutschsprachige Frauenzeitschrift heraus. Und dann sind da noch Ludwig Ganghofer und die Sedanstraße und die ganzen fragwürdigen Denkmäler, die eine kritische Würdigung verlangen. Und Hans Magnus Enzensberger. In der Kaiser-Max-Straße kommen alle zusammen, Kirche, Banken, Cafés, der Rot-Kreuz-Laden, Hotels, Kneipen, der Bauernmarkt, alles für Leib und Seele, auch ein Bestatter schmiedet hier seinen Trost. Und gleich, nach dem Besuch des Stadtmuseums, mache ich mich auf in Richtung Seefeld in Tirol mit Bahn und Bus. Es wird auch im Nahverkehr kompliziert genug werden. Die Via Romea Germanica – es klingt immer noch seltsam übertrieben – endet damit und findet ihre Fortsetzung von Seefeld aus über Innsbruck in Alto Adige / Südtirol. Vor vierzig Jahren war ich dort auf einer Wanderung mit meinem Jugendfreund Tom unterwegs. Ich habe keine Ahnung mehr wie, aber alles, was ich heute mit dem Smartphone und dank EU und Euro erledige, hat damals auch funktioniert. Ich war halt weniger auf ‚Stand-by‘, sondern mehr dabei.