Kein Beitrag ohne den Mann aus Wittenberg. Fast. Ja, auch hier in Seefeld soll er genächtigt haben, auf dem Rückweg von Rom. In Tirol. Und das nicht von ungefähr. Seefeld lag seit Römerzeiten auf der Strecke von Germanien nach Italien, bzw. im Mittelalter von Venetien vorzugsweise nach Augsburg. Hier kamen sie alle durch. Zumindest ein großer Teil. Und wer bin ich, dass ich das nicht entsprechend würdigen sollte. Seit Albert von Stade, der hier auch auf bei seiner Rückkehr von Rom durchgekommen ist, hat sich touristisch Einiges getan. Erst kamen die Händler, dann die Pilger, schließlich die Wintersportler. Die Pilger bestaunten einst eine blutige Prachthostie, die eigentlich einzig dem Priester gebührt, aber der ortsansässige Adlige keck begehrte, worauf dieser halb im Boden versunken und die Hostie die blutenden Wundmale Christi gezeigt haben soll. So geht Demut. Eine gewisse Demut, oder besser Respekt, empfinde ich beim Anblick der Berge. Meine Harzer Großmutter ermahnte uns immer, uns am ersten Tag auf der Höhe ersteinmal zu akklimatisieren und körperliche Anstrengung zu meiden. Ihren Rat will ich beherzigen. Es hat gestern auch wie aus Kübeln geschüttet. Nach dem grandios gediegenen Alpen- und Villenpanorama am Starnberger See, wurde es bald finster. Ich werde diese Phase der Anpassung an das Klima der Alpen wohl bis Innsbruck verlängern. Denn die Via Romea durchs Tal droht asphaltlastig zu werden, und die Wander-App führt mich durch und über die Berge. Ich werde die Zeit nutzen, über den bisherigen und weiteren Verlauf meiner Reise nachzudenken. Von der anderen Talseite drang bei Einbruch der Dunkelheit Kuhglockenklang herüber, unterbrochen vom Rattern der Bahn nach Innsbruck und einer Art spätabendlichem Sambaexpress mit Traktor und indischer Pop-Musik. Was für eine Mischung! Als ich unerwartetes Geläut im Taubertal hörte, dachte ich: ‚Jetzt reicht‘s mir aber mal mit die Romantik!‘ Aber in Tirol gehört es wohl zum guten Ton. Obwohl auch hier unten im Tal niemand mehr seine Herde im Wald weidet und irgendein verirrtes Rindviech suchen muss. Mich schon gar nicht.




















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