Auch das kommt bei einem miserablen Kartenleser wie mir mitunter vor: Ich habe mich heute richtig verlaufen. Das heisst, ich bin die Via Romea, die in Trento eine Art enge Schlaufe macht, einfach mal zurückgelaufen. Das wäre Albert nicht passiert – und Albrecht auch nicht. Ja, Dürer war hier auch schon unterwegs. Verlaufen aber habe ich mich. Und dies auf recht fromme Weise, über einen steilen Kreuzweg hoch über dem Palast der einst mächtigen Trienter Fürstbischöfe, dem Castello del Buonconsiglio. Meine ‚Entscheidung‘ war dann nicht wirklich schlecht. Eben hatte ich noch den Garten des Kastells bewundert, dann folgte ich Jesus auf seinem Weg bis zu Kreuz und Grablegung den Hang hinauf. Am Ziel, der Kirche Santuario della Madonna delle Laste, stimmte gerade ein Frauenchor ‚Laudate omnes gentes‘ an. Unter diesen entrückten Klängen suchte ich den Anschluss an den Weg Richtung Veneto. Was dann kam, dagegen war der Trienter Kreuzweg ein morgendlicher Spaziergang. Die Steigung bis zum Passo Cimirlo, der das Trentino mit dem Valsugana verbindet, wollte einfach nicht enden. Da die Italiener Wasser lieben wie ihre römischen Vorfahren, stand zum Glück irgendwo immer ein Brunnen bereit, der auch dem verschwitzten Teutonen Erfrischung schenkte. Den Pass habe ich dann mit Bravour – das heisst mit allerletzter Kraft – genommen. Dann verließen sie ihn in Pergine. Nun hat mich die Bahn, die wohl einst dazu eingerichtet wurde, um Mineralwasser und Kurgäste hin- und her zu transportieren, bis nach Levico Terme im Tal der Brenta gebracht. Hier möchte ich bleiben. Und dem vorbeifahrenden Kurbimmelbahnbus zuschauen. Und nachschauen. Und warten, bis er wieder vorüberfährt. Da ist doch heute einem Caravan mit Gütersloher Kennzeichen mitten auf der Hauptstraße der Motor ausgegangen – und niemand hat gehupt! Was für ein Ort! Aber es ist ja auch Sonntag. By the way: Der Ort ‚Levico Terme’ wird bis heute auch unter ‚Löweneck‘ geführt, aber diese Eindeutschung ist wohl den bis 1919 herrschenden Österreichern zu verdanken. Wer die Macht hat, bestimmt die Regeln.














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