Die einen waren heute auf Flip-Flops unterwegs, die anderen in Bergstiefeln. Ich gehöre zur letzteren Sorte. Und ich fürchte, heute war ich der Einzige, der von Forlì aus in die Berge gefahren ist, um zu wandern, und das bei 32 Grad im Schatten … Heute, am Höhepunkt des Italienischen Sommers, dem Ferragosto, zugleich Mariae Himmelfahrt. Eigentlich haben die Italiener diesen freien Tag Kaiser Augustus zu verdanken. Mit den dreitägigen Feriae Augusti vom 13.-15. August wurde der Sieg über Cleopatra und Marcus Antonius 29. v. Chr. begangen. Die römisch-katholische Kirche hat später dann den 15. August auf Maria, Mutter Jesu, übertragen und feiert an diesem Hochfest ihre leibliche Aufnahme in den Himmel. Wie auch immer, heute sind ‚alle‘ am Meer. Dort kam ich nun gerade her, ein bisschen Adria schwappt sogar bis in die Innenstadt von Ravenna. Am Ende des Canale Corsini wird heute aber nur noch die Prozession der Kreuzfahrerinnen und -fahrer mit ihren Monstertrolleys begrüßt und zu ihrem Schiff im Hafen von Ravenna an die Adria verbracht. Ich bin noch nicht am Ende mit dem, was ich in Ravenna gesehen habe. Besonders beeindruckt haben mich die Mosaiken, die nun schon über eineinhalb Jahrtausend Jahre die Wände der Kirchen schmücken und so lebensnah und lebendig, tatsächlich wie gemalt wirken. Und natürlich das Mausoleum Theoderichs des Großen, das von einem einzigen, circa 230 Tonnen schweren, Kuppelstein überwölbt wird. Ich kannte die Mosaiken und die Grabstätte nur von Abbildungen, wie auch anders. Sie verweisen in eine Zeit, in der das Christentum die grundlegenden Bekenntnisse formuliert und das Verhältnis der drei Personen der Trinität zueinander bereits bestimmt hatte. Aber Theoderich, zum Beispiel, teilte diese Gedanken nicht. Heute würde man seine Weigerung, Jesus als wesensgleich mit Gott dem Vater anzuerkennen, als Häresie bezeichnen. Aber was ist dann mit unserer Erlösung, wenn Jesus nur ein besonders auserwähltes Geschöpf, aber eben nur das war. Fragen über Fragen. Immerhin ließ Theoderich auch die ‚orthodoxe‘, rechtgläubige, trinitarisch korrekte Lesart zu. Denn man kann ja nie wissen … und förderte Kunst und Kultur. Und dann ist da noch Dante Alighieri – am 14. September 1321 verstarb der Dichter, Philosoph und ‚Homo Politicus‘ in Ravenna. Wer an sein Grab tritt, hat vermutlich sein prägnantes Profil schon einmal gesehen, aber kaum eines seiner Werke gelesen. Aber was nicht ist, … die Fotos von Ravenna lade ich in den Beitrag vom 14. August. Nun sitze ich schon in Civitella di Romagna in dem nun doch schon lauen Sommerabend und bereite mich auf die Passage über den Appenin vor. Hand auf‘s Herz, wenn Sie die Wahl zwischen einem vollklimatisierten Bus und einem Spaziergang bei 32 Grad im Schatten über holprige Pfade und bröckelnde Schluchten hätten, welche Option würden Sie wählen? Aber den selbsterklommenen Ausblick auf das Bidente-Tal werde ich dennoch nicht vergessen.










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