* Bedarfshaltestelle
Das Leben ist eine Bushaltestelle. Manchmal. Und manchmal auch nur eine Bedarfshaltestelle. Und ich mittenmang. Ich habe den Hinweis ignoriert. Er stand ganz rechts auf dem Fahrplan, dunkelgrau auf sattrot. Daneben freundlicherweise übersetzt: ‚Stop by request‘. Für meine kontrastschwachen Augen also kaum zu lesen. Und vom Sinn her nicht ganz einzusehen. Wie sollte ich denn meinen Bedarf anmelden? Dass diese Bushaltestelle eine reine Ausstiegsmöglichkeit sei, darauf musste ich erstmal kommen. Denn meine App suggerierte mir ja, dass ich von dort aus nach Bagno di Romagna käme. Also saß ich dann auch brav den Nachmittag über im Bushäusschen und wartete – bis der angegebene Zeitpunkt verstrich. Also Plan B – oder A: Laufen. Mit einer Distanz von 25 Kilometern bei 31 Grad und etlichen Höhenunterschieden unrealistisch. Plan C: Taxi rufen. Aber hier ist es mit den Taxen wie überall in der Provinz. Also Plan D: Unterkunft telefonisch um Hilfe bitten. Ich meine, ich hätte dort auch noch bis morgen früh ausgeharrt, warm genug war es ja. Aber der freundliche ‚Salvatore’ von meiner Herberge in Bagno du Romagna befreite mich aus der etwas aussichtslosen Warteposition und fuhr mit mir über den Appenin. Das Telefonat würde ich gerne wiedergeben, es war ein Mix oder Murx aus allem: Brocken von Italienisch, englischen Versuchen, deutschen Pausen. Vom Tal der Bidente über den Passo del Carnaio ins Savio-Tal nach Bagno di Romagna. Der Ausblick auf die Berglandschaft ließ mich die etwas monotonen Stunden Wartezeit schnell vergessen. Streckenweise war die Straße frisch erneuert oder über eine Ersatzroute geleitet. Denn die Umweltkatastrophe, die verheerenden Überschwemmungen im Mai, hat die Region schwer getroffen. Auch die Via Romea ist davon betroffen. Im Bidente-Tal kam ich an mancher Abbruchkante am Steilhang vorbei. Seit zwei Monaten hat es nun schon nicht mehr geregnet. Ein Extrem folgt dem nächsten. Bagno di Romagna aber ist gut besucht. Hier im Badeort machen Italiener Urlaub. Das Klima ist erträglich, die Atmosphäre familiär, und der kleine Ort bietet reichlich Abwechslungen. Bagno ist auch der Ort der ‚Gnomi‘, der Zwerge. Sie stünden für die ‚energia‘ der Berge und des Waldes, so der ‚Salvatore‘. Oder anders formuliert: Sie sind Klimaschützer der ersten Stunde. So gesehen, verdienen unsere heimischen Gartenzwerge eine neue Betrachtung … Morgen soll es nach Arezzo gehen, in die Toskana. Das ist zumindest mein Bedürfnis.




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