Gleich vierfach wurde ich bei meinem Eintreffen in Campagnano di Roma begrüßt: Von einem heftigen Regenguss, einer Herde sich weitgehend frei organisierender Kühe mit einem aufmerksamen Jungbullen und zwei Hähnen, die noch am späten Nachmittag um die Wette krähten. Das Grunzen des Wildschweins im Dickicht unterhalb der hoch gebauten Stadt klang zwar eher nach einer Warnung. Aber ich will das mal als Begrüßung gelten lassen. Ansonsten Stille über dem Veio-Park, dem Naturschutzgebiet, das einen tief unter der urbanen Klippe vergessen lässt, bereits mitten in der Metropolitanregion Roms zu sein. Nicht einmal eine Glocke, die dem Ort den Namen gab. Oben angekommen: Jungs, die auf der kleinen Piazza des Viertels kickten. Mütter, die ihre ‚Bambini’ ständig ermahnten und auf den ‚Signore‘, der da ein bisschen erschöpft auf der Bank saß, hinwiesen. Ich wollte der Fußballkarriere des Dreamteams dann nicht weiter im Weg sitzen und setzte meinen Weg bald wieder fort. Erst am Ende der Gasse kam nach und nach die Stadt in Gang. Der Corso Vittorio Emanuele war noch festlich geschmückt für die Festa zu Ehren der Stadtheiligen San Giovanni Battista und San Celestino Martire die Tage zuvor. Am Abend im Gasthaus gleich zur Pasta Regierungschefin Giorgia Meloni omnipräsent im TV, kommentiert von einer Gruppe Männer in den besten Jahren, vermutlich eher Sympathisanten, denn geschimpft wurde wenig. Vielleicht ging es um ihre Steuerpläne, die weitere Leugnung der Klimakrise oder die abgründigen Äußerungen ihres Mannes zur Gewalt gegen Frauen. Hier hätten bessere Italienischkenntnisse geholfen, aber es wäre auch so schwer genug gewesen, den rasanten Wortwechseln zu folgen. Auf dem Weg durch die Botanik ist die Tagespolitik oft sehr weit entfernt. Das heißt aber nicht, dass der Gang durch die Kulturlandschaften unpolitisch sei. Alles, was in unserer Gesellschaft falsch – aber eben auch, was zukunftsweisend ist – kommt oder fährt einem auch dort über den Weg. Wenn es denn ein Pilgerweg sein soll, führt er gerade bewusst in die Welt hinein, d. h. von sich selbst fort zu den Menschen. Heute soll es noch einmal eine längere Strecke von Campagnano di Roma über Isola Farnese nach Olgiata gehen.

















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