Ostia

Von Altona nach Ostia, von der Elbe bis zur Mündung des Tibers, von Fluss zu Fluss und dann zum Meer, wo sich alle Flüssigkeiten wieder hineinfinden, wie Ringelnatz weise bemerkt. Alles im Fluss. Aber nicht ohne Ziel. Veränderungen passieren. Die alten ‚Götter’ blättern, entlarven ihre wahre Substanz. Vielleicht nicht in 62 Tagen. Vielleicht nicht auf den rund 1100 Kilometern zu Fuß und den 1100 Kilometern mit Bus und Bahn, die ich auf dem Weg nach Rom unterwegs gewesen sein muss, glaube ich der Statistik. Und den gefühlt hundert Kirchen, die ich in dieser Zeit aufgesucht habe. Aber solche Statistik sagt wenig aus. Jeder einzelne Kilometer war anders lang, bot eine andere Herausforderung. Jede Kirche erzählt von der Geschichte, die in ihr jeweils erzählt werden will oder soll: Von Ohnmacht und Machtfülle, Leid und Schuld, Strafe und Erlösung, Sehnsucht nach Beständigkeit und Erneuerung, von irdischen und von himmlischen Freuden, deren Aussicht manchmal eine leichte Nackenstarre verursacht. Und am Ende, in der Erinnerung, vermischt sich alles. Die einzelnen Momente, Ansichten, Eindrücke, die in Träumen bei Tag und bei Nacht immer wieder ins Bewusstsein treten. Ich werde noch lange von meiner Wanderung haben. Einem Bär bin ich nicht begegnet und auch keinem Wolf. Aber einer Wölfin! Und ich bin Gott sehr dankbar, dass ich die Reise heil überstanden habe. Dankbar auch den Menschen, die mich gedanklich und mit Interesse begleitet und auf meinem Weg unterstützt und denen, die diese Tour letztlich ermöglicht haben! Ach ja – die Bänke: Allen Stifterinnen und Stiftern einer Bank gilt meine besondere Sympathie! Denen, die Alleebäume pflanzen, sowieso. Und zuletzt meinem stummen Weggefährten, dem ich meist den Rücken zugekehrt habe – der aber alles mit gebirgserprobter Gelassenheit ausgehalten hat, meinem lieben Schnerfer von Schmarda aus Innsbruck! Den will ich nicht lassen!