Wo lang – wie lang?

Nach dem Frühstück nach Zeven. Zu Fuß eine Strecke von gut 50 Kilometern. Der Mönch Tyrri hätte vermutlich 6 Meilen Wegstrecke angegeben. Folgt man den Angaben Albert von Stades und vergleicht sie mit den heutigen Entfernungen, betrug eine Meile zu seiner Zeit gut 8 Kilometer. Die Tagesstrecke zu Fuß lag damals bei etwa 30 Kilometern. Aber das galt für Menschen, die einigermaßen geübt waren, nicht für Altonaer Fußvolk. Und so, noch voll Elan, wählte ich nicht die naheliegende erste Etappe der Via Romea von Stade nach Harsefeld mit 24 Kilometern, sondern gleich mehr als die doppelte Strecke nach Zeven mit 52 Kilometern. Weil ich ja im Zeitplan bleiben wollte, und weil ich meinte, es mir zutrauen zu müssen. Und dies war dann auch das letzte Mal, dass ich einen ‚4000er‘ nahm und schließlich, irgendwo in der Dämmerung kurz vor Zeven ein Taxi rief und den Rest dem Fahrer überließ. Weiser Verzicht. Und um die Erkenntnis reicher, dass ein Kilometer für einen Spaziergänger mit unegalen Füßen doch eine beachtliche Entfernung darstellt. Landschaft war auch da, aber vor allem ein Weg, der noch nicht Ziel sein konnte. Weil der Kopf den Füßen hinterhinkte und die Füße langsam den Geist aufgaben und einfach Losgehen bedeutete, erst einmal Alles mitzunehmen, was sich in einem Kopf so verstauen ließ.
Und dann war da noch die Frage, die mich auf meiner Reise bis Rom beschäftigte: Auf welchem Weg bewege ich mich eigentlich? Denn die Via Romea war in diesem Teil der Strecke zugleich der Jakobsweg, die ‚Via Baltica’, später folgten der ‚Heidschnuckenweg’ und weitere mehr oder minder gut bestimmte und ausgeschilderte Themenwege.
Ich fürchte, Firri hatte, wie ich, vor allem ‚Nach Rom‘ im Kopf. Und er hätte erstmal, dem Rat Tyrris‘ folgend, die erste Etappe genommen. Aber es macht sich auch ganz gut, wenn einer sagen kann, dass er auf altehrwürdigen Spuren gewandelt sei als auf einem Stück niedersächsischen Feldwegs.


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