Achtung: Wolf!

Warnung vor dem Wolf. Im Oderwald hoch über Wolfenbüttel. Wie sinnig. Das hat mich nicht daran gehindert, nach dem Besuch der Lessingstadt tiefer in den Forst hinein zu laufen. Vor Wölfen hatte ich seltsamer Weise keine Angst. Vielleicht, weil ich sie für scheu und so klug hielt, mir aus dem Weg zu gehen. Bei Wildschweinen war ich mir da gegen Ende meiner Reise weniger sicher. Mit ihnen kam ich aber tatsächlich erst in Italien in Kontakt. Und da war dann noch der Bär, in Norddeutschland längst ausgestorben, im Trentino, das auf meiner Route lag, aber noch recht aktiv. Zwei Monate zuvor war ein Jogger von einer Bärin getötet worden. Solche Angriffe kommen höchst selten vor. Meist geht der Ursus Menschen aus dem Weg. Vorsichtshalber hatte ich mir aber eine ‚Bärenglocke‘ besorgt. Die hätte mich zwar auch nicht wirklich gerettet, wenn alle anderen Maßnahmen versagt hätten – aber sie gab mir die Chance, wenigstens die letzte Runde einläuten zu können … am Ende bin ich mit der Tierwelt, den Singvögeln, Schmetterlingen und Käfern, den unvermeidlichen Mücken und Zecken, ein paar Greifvögeln, einer Herde freilebender Rinder, den zwei Wildschweinen und auch den kläffenden Hofhunden, gut ausgekommen. So viele Begegnungen gab es auch gar nicht. Dies lag an der zunehmenden Hitze, dem menschenverursachten Rückgang der Artenvielfalt, vermutlich aber auch daran, dass ich die Zeit der Dämmerung nach Möglichkeit gemieden habe. Auch die gefährlichste Spezies, der homo sapiens, ließ sich kaum blicken und wenn, war er meist mit einer Bezahlung oder ein paar freundlichen Worten zufrieden. Zumindest abseits der Fahr- oder Rennstrecken. Auf ihnen aber gab es für den Wanderer keine Gnade. Der Asphalt gehörte den E-Bikern und Autofahrern. Vielleicht hätte ich mich als Kröte tarnen sollen. Ich vermute aber, das hätte die Rücksichtnahme nicht gesteigert. Abgesehen davon: Welcher Lurch wandert schon bei 30 Grad im Schatten durch die offene Botanik?!