Fort aus Münnerstadt

Wir sind alle auf dem Weg. So viel lässt sich feststellen. Klingt banal, wer aber wie ich, mit zeitweisen Überbrückungen, ‚auf Schusters Rappen‘ unterwegs ist, nimmt die Mobilität der Gesellschaft vielleicht ein bisschen intensiver wahr. Dabei bestimmt meist das Ziel den Weg oder das ‚Strecke machen‘. Das gilt für den Transporter, der nachts durch den Thüringer Wald donnert wie für den ‚Pedelec-Ritter‘ (von der meist bunt-sportiv-ambitionierten Gestalt). Überhaupt die Pedelecs oder E-Bikes – mit ihnen muss ich mir auf meinem Weg durch das Tal der Fränkischen Saale streckenweise die Via Romea teilen. Und selbstverständlich ist dieser Streckenabschnitt dann auch komfortabel asphaltiert. Franken ist Fahrradland. Der Trend geht dahin, die Landschaft in der Vorüberfahrt zu erleben. Vielleicht wird dies bereits als Entschleunigung wahrgenommen. Das Tempo aber, mit dem die behelmte Freizeit-Brigade durch die Orte rast, hat eher etwas Getriebenes. Aber was ich da mache, ist schon sehr speziell, und meist latsche ich allein durch die Lande, les mir ab und zu eines der vielen Informationsschilder am Wege durch, schnuppere an der Rose in Nachbars Garten und freue mich über jede Bank, die eine mitfühlende Seele auch für meine Rast aufgestellt hat. Und werde immer langsamer. Die Sonne steht jetzt schon hoch über Münnerstadt, einst ein bedeutendes Handelszentrum, mal protestantisch, dann wieder katholisch, mit Stadtmauer und imposanten Tortürmen. Heute soll es nach Schweinfurt gehen. Erstmal losgehen und schauen, wie weit ich komme. Mit dieser Devise komme ich ganz gut zurecht. Und doch muss ich fort aus Münnerstadt, auch wenn ich so gern noch geblieben wäre … Dem Gedanken von Rudolf Baumbach, dem in Meiningen verstorbenen Dichter des einst bundespräsidial veredelten Liedes ‚Hoch auf dem gelben Wagen‘, schließe ich mich also soweit an, auch wenn hier schon lange keine Postkutsche mehr durchgekommen ist … die Pedelecniks grüßen meist freundlich und vielleicht erinnern sie sich mit ähnlicher Wehmut an die Wanderungen von einst, wie Baumbach im Bahnabteil an die gute alte, herzlich unbequeme Postkutschenzeit … Aber da Tilman Riemenschneider 1490/1492 in Münnerstadt mit dem Magdalenenaltar sein erstes Großprojekt realisiert hat, werde ich wohl doch noch ein bisschen bleiben. Das muss ich mir anschauen. Schweinfurt kann warten.

St. Kilian in Mellrichstadt mit Zwiebelturm, einem Hinweis auf die Rekatholisierung des zwischenzeitlich protestantischen Gebiets Unterfrankens.
Am Wege
Reichlich vor der Hütten – Sägewerk zwischen Mellrichstadt und Oberstreu.
Den ‚Mönchshof‘ bei Oberstreu hat Albert von Stade möglicherweise schon gesehen. Das Klostergut soll seit dem 9. Jahrhundert bestehen.
Brückenheiliger St. Nepomuk vor Oberstreu am Flüsschen Streu.
Mittelstreu – jetzt mit Spitzturm.
Rast am Bildstock – typisch für die Landschaft.
Fachwerk im kunstvollen ‚Hennebergischen Stil‘ – Gebäude von 1571.
Mauersalat in Unsleben.
Wasserschloss Unsleben.
Friedensengel an der Heilig Kreuz- Kirche von Unsleben.
Ehemalige Synagoge von Unsleben mit Mahnmal zur Erinnerung an die in der Zeit des Nationalsozialismus vertriebenen und ermordeten jüdischen Einwohnerinnen und Einwohner – einem Koffer.
Netter Versuch.
Am Wege.
Vor allem neugierig – Rinderherde zwischen Unsleben und Heustreu.
‚Wehrhaftes Christentum‘ – Reste der Befestigungsanlage der Kirche von Heustreu.
Am Zaun.
Via Romea 2.0
Stimmt. Brücke vor Bad Neustadt a.d. Saale
Ausgang und Ziel – Andachtskreuz vor Bad Neustadt.
Regen, endlich aber kurz. Neustadt a. d. Saale.
Blick aus dem ‚Bären‘ auf den Marktplatz von Münnerstadt.
Wann diese Notiz verfasst wurde, ist nicht überliefert.