Aufbruch von Schweinfurt. Mainabwärts über Würzburg Richtung Veitshöchheim. Der Riemenschneider von Münnerstadt war verhüllt. Er ist ohnehin mehr als minder eine Rekonstruktion, nach seiner Demontage und dem teilweisen Verkauf im 17. Jahrhundert. Verhüllt auch die Altarbilder mit der Kilianslegende von Veit Stoß. Beide hochkarätigen Künstler hatte es an der Wende 15./ 16. Jahrhundert in die einst wohlhabende Stadt – Motto „Mürscht hat’s Geld“ – verschlagen. Riemenschneider ordentlich beauftragt, Stoß nach seiner Flucht aus Nürnberg. Nur die Begnadigung durch Kaiser Maximilian bewahrte den renommierten Bildhauer vor der Hinrichtung wegen Urkundenfälschung. Stoß kam mit einem ‚blauen Auge’, bzw. mit glühenden Eisen durchbohrten Wangen, davon. Und versuchte sich hier in der Malerei. Riemenschneider landete später im Verlies der fürstbischöflichen Festung Marienberg in Würzburg wegen seiner Unterstützung des Bauernaufstands. Künstler und Verbrecher seien Weggefährten, ohne Moral, nur getrieben von der Kraft der Freiheit, behauptet Joseph Beuys. Was treibt mich? Die Kraft der Freiheit? Die in der Liebe gründet und nur in ihr ihr wahres Ziel findet? Der Vater des Mannes, dem ich im Innenhof des Museums von Münnerstadt begegne, würde mich wohl eher in die Kathegorie ‚Kultur-Wanderer‘ oder ‚Individual-Tourist’, getrieben von … ach egal, einsortieren. 90 Tage sei er von Münnerstadt nach Santiago de Compostela unterwegs gewesen, am Morgen wusste er noch nicht, wo und mit welchen Weggenossen er unterkommen werde. Ohne Vorbuchung, ohne Smartphone, frei. Und doch nicht bindungslos. Einmal die Woche ein Lebenszeichen von einem Münztelefon nach Hause und ansonsten die Conditio Jacobaea im Herzen. Ein Pilger. Ich würde diesen Begriff nicht für mich reklamieren, es sei denn, der Weg in die ‚Fremde‘ entpuppt sich en passant als Pilgerweg. Und natürlich ist mir bewusst, dass das Abklappern von Sehenswürdigkeiten und die Aussage ‚Wow, Riemenschneider in Münnerstadt!‘ nichts aussagen, wenn es bei der Feststellung bleibt, dass ich halt auch da gewesen bin. Eine Offenbarung wird heute vielleicht der Garten von Veitshöchheim sein. Ich bin gespannt!

























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