Das Konzil von Trient sorgte für Bänke. Nicht, um zu chillen und die Kühle christlicher Gotteshäuser zu genießen oder die Deckengemälde bewundern zu können. Sondern um den Predigten zuzuhören. Je länger desto Bank. Was den Protestanten Recht war, konnte den Katholiken wenig später nur billig sein. Ob diese Entscheidung dem allgemeinen Trend zu sitzbedingten Haltungsschäden gefördert hat, Gott weiß es, zumindest kam man aus dem Sitz schneller in die kniefällige Demutshaltung oder den aufmerksamen Stand und zurück. Die Trienter Dombänke habe ich vor einem Jahr tatsächlich nicht genutzt, aber das Thema Sitzmöbel hat mich meine gesamte Reise über beschäftigt. Das lag auch daran, dass ich ein schlichtes Brett in Sitzhöhe jederzeit einer mühsamen Bodenhaltung vorziehe. Es sind gar nicht einmal die Ameisen, die mich davon abhalten mich auf den Boden zu setzen. Ich weiß mit meinen Beinen dort unten einfach nichts anzufangen. Liegen will ich nicht, Schneidersitz kann ich nicht. Die Bank bietet für mich einfach mehr Vorteile, vermutlich auch deshalb, weil ich von dort schneller und bequemer – und eleganter – wieder vom Fleck weg komme. Als ich ein Kind war, stand die Bank sinnbildlich und bereit für betagte Menschen, die im Kurpark ihre Runden drehten. Ursprünglich sollten sie wohl der Rast bourgoiser Müßiggänger auf dem Weg durch das Parkgelände oder den Garten zum Austausch geistreicher Gespräche dienen. In jedem Fall bieten sie die Gelegenheit zum Verweilen, um die Gegend und die Passanten zu betrachten. Und noch vieles andere mehr. Aber in die freie Natur gehört eine Bank eigentlich nicht. Was machte das für einen Eindruck, wenn Caspar David Friedrich den ‚Wanderer über dem Nebelmeer‘ auf einer Bank sitzend gemalt hätte. Undenkbar. Auf antiken Trümmern mag sich einer niederlassen, besonders wenn er Goethe heißt – aber die Sitzbank widerspricht jedem Ausdruck der Erhabenheit. Sie ist tatsächlich erhaben, aber eben nur der Sitzhöhe nach. Dass sie natürlich auf der langen Strecke ab und zu – nach meinem Geschmack etwas zu wenig – herumstand, lag daran, dass ich auf meinem Weg lokale Spaziergänge kreuzte, wie den ‚Rannunger Bänklesweg‘. Dort dient die unterfränkische Sitzgelegenheit als Motivationshilfe, um überhaupt in Bewegung zu bleiben, nach dem Motto: ‚Nur noch 380 Meter bis zur nächsten Bank‘. So kommt man gemütlich zurecht, aber nicht wirklich voran. Meine Vorfahren, die im Fuhrgewerbe erfahren waren, kannten den Spruch ‚Langet Verhalen maket marohe Pere“. Auf lange Distanz betrachtet, ist es vermutlich nicht nur für Pferde gesünder im Gang zu bleiben und richtig lange Pausen einzuplanen als nach vielen kleinen Pausen immer schwerer in die Gänge zu kommen. Aber manchmal braucht der müde Wanderer, der es nie auf eine Yoga-Matte geschafft hat, eine Brett auf dem Wege. Und tatsächlich soll es sie geben, die ‚Pilgerbänke‘, gestiftet von mitfühlenden Zeitgenossinnen und -genossen. Die Bank von Bosacker zwischen Dinkelsbühl und Nördlingen, kurz hinter dem Limes soll an dieser Stelle noch einmal zu Ehren kommen! Inmitten einer Gegend, die gespickt war mit Ansitzen, Hochsitzen oder ‚Kanzeln‘, stand sie da. Und ich lauschte der ‚Predigt‘ der Natur und wusste, sie würde kein Ende finden. Aber da war gut sitzen, für eine Weile – und Amen!

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